Gehwegtest – unterwegs mit dem Kinderwagen

Veröffentlicht am 02.03.2021 in Kommunalpolitik

Um zu schauen, ob die Gemeinde, was das Thema Verkehrssicherheit, Kinderfreundlichkeit und Barrierefreiheit, auf einem guten Weg ist, haben wir einen innerörtlichen „Gehwegtest“ gemacht: Zwei Kinderwagen und eine Kamera sind die üblichen Wege in Merdingen entlang marschiert, und haben ausprobiert, ob das im Alltäglichen einwandfrei funktioniert.

Los geht’s! Vom Gasthof Keller durch den Schlupf zur Langgasse. Die dort eingebaute Schikane soll Radlern das Leben schwer machen, macht aber Kinderwagen das Durchkommen je nach Bauart fast unmöglich. Irgendwie haben wir uns aber dann doch durchgequetscht und standen dann vor der Frage, wie kommen wie jetzt auf die andere Seite. Kurvig, nicht einsehbar, sperrende Grünstreifen – nichts für ängstliche Gemüter (mal ganz zu schweigen von selbst marschierenden Kindern!). Einzig sinnvolle Möglichkeit wäre ein Zebrastreifen Richtung Arztpraxis. So sind wir dann auch auf die andere Strassenseite gelang! Weiter in den Löschgraben – Richtung Schule. Auf dieser Strassenseite wird der Gehsteig dann so schmal, dass man*frau schnell mal mit zwei Rädern in der Luft hängt, wenn das überhaupt möglich ist, weil, wie immer an dieser Stelle, jemand so eng parkt, dass der Kinderwagen stecken bleibt. An ältere Mitbürger*innen mit Rollator, die nicht mehr ganz so koordinationssportlich sind, wollen wir hier gar nicht denken. Also überqueren wir notgedrungen auch noch den Löschgraben ohne Randsteinabsenkung, ohne Gefahrenschilder, …, einfach so.

An der Schule endlich gibt es eigentlich eine ganz gute Überquerungsmöglichkeit, strassenbaulich abgesetzt, vermittelt sie, „hier darfst du gefahrlos rüber“. Ist aber nicht so, denn ohne Schilder und ohne Streifen auf der Straße hat der Autoverkehr Vorrang. Auf unserem weiteren Weg am Kindergarten vorbei, stellen wir bei den Straßenüberquerungen fest, dass Randsteinabsenkungen fehlen. Barrierfrei sieht anders aus! Und in der Schönbergstrasse fehlt sogar ein ganzes Stück Gehsteig. Kann nur ein Schildbürgerstreich sein.

Weiter geht’s durch den Abtshof Richtung Hochstrasse. Hier gibt’s keinen Gehsteig. Ist halt so. Aber zumindest sollten die Autos nur auf einer Strassenseite parken, damit man*frau nicht Slalom oder mitten auf der Strasse mit dem Kinderwagen fahren muss. Das Gleiche passiert uns auch in der Ritt- und der Farbgasse. Aber zurück zur Kurve Hochstrasse/Abtshof. Das grobe Pflaster dort sieht sehr hübsch aus, ist aber für Kinderwagen ein echter Rütteltest, für Rollatorchauffeur*innen kaum befahrbar.

Weiter geht’s die Hochstrasse entlang. Untenrum gibt’s keinen Gehsteig, also laufen wir oben rum. Am Ende der Zweiteilung fällt der Weg allerdings ziemlich schräg zur Strasse hin ab. Wer nicht gegenlenkt, rollt mitten auf die Straße. Für „Gehfrei“-Fahrer*innen eine echte Herausforderung, quasi barrierfrei mitten in den Verkehr. An der Kreuzung Rittgasse, Hochstraße, Wolfshöhle parken Autos so nah an der Kreuzung bzw. auf dem Gehsteig, daß eine „einsichtige“ Überquerung fast unmöglich ist. In der Rittgasse biegen wir zum Zehnthof ab und werden vom groben Pflaster wieder gehörig durchgeschüttelt. Hübsch anzusehen, aber eine „Gehschneise“ mit flachen Pflastersteinen würde den Rollatorchauffeur*innen viele lockere Schrauben ersparen. Aber das Katharina-Mathis-Stift hat ja bestimmt eine entsprechend ausgerüstete Werkstatt.

An der Langgasse angelangt, ist ein gefahrloses Queren schwierig. Die einzig sinnvolle Möglichkeit wäre ein Zebrastreifen oberhalb der „Sonne“, genauer gesagt beim ehemaligen Gasthof „Pfauen“. Wir sind dann doch heil in die Kirchgasse gewechselt, haben zunächst viel Platz (auch ohne Gehsteig), kommen aber am Ende der Kirchturmmauer in die Bredouille, weil uns ein parkendes Auto mitten auf die Straße in den Gegenverkehr, der nicht vorhersehbar ist, zwingt. Jetzt sind es nur noch ein paar Schritte zum rettenden Kirchgassengehweg.

Aber zwischen Treppe zum Kirchplatz und Geweg fehlt ein Stück, wo immer Autos parken. Prompt werden wir auch hier, mitten in den Gegenverkehr gezwungen, der aber gut reagiert und rechtzeitig bremst. Dann haben wir aber endlich den Gehsteig erreicht und können, seit die Autos auf der anderen Straßenseite parken müssen, entspannt in voller Kinderwagenbreite nach Hause flanieren.

Fazit: Wir haben einen schönen Spaziergang gemacht, uns Zeit gelassen, genauer hingeschaut und festgestellt, dass für die Verkehrssicherheit von Kindern, älteren Menschen, Menschen mit Einschränkungen, für Kinderwagen, Rollatoren und Rollstühlen noch einiges zu tun ist, wenn die Wege in eine „attraktive und belebte Ortsmitte“ barrierefrei und verkehrssicher sein sollen.

Bernd Trilling, Stephanie Reisenberger

 
 

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