Keine neuen Straßen (auch keine B31 West)

Veröffentlicht am 12.04.2021 in Kommunalpolitik

Auf einem Flugblatt und einen Bericht im Reblandkurier gab es letztens Informationen von der Merdinger Bürgerinitiative zur oder besser gegen die B31. Unsere Leute stehen damit nicht alleine, mittlerweile gibt es auch in einigen umliegenden Gemeinden solche BIs und die arbeiten nun zusammen.

Die SPD – Offene Liste steht schon immer in engem Kontakt mit der BI. Mit Stephanie Reisenberger ist eine Gemeinderätin der SPD – Offenen Liste Merdingen dort mit von der Partie und auch der Hermann Heudorfer, Gemeinderatskandidat 2019, und Altgemeinderat Reiner Hug sind dabei. Ich war in dieser Konsequenz noch nicht gegen die Straße.

Ich möchte deshalb hier darstellen, warum ich meine eher zustimmende Meinung zur B31 West vor einiger Zeit geändert habe.

Ich habe mich lange Zeit gegen eine Forderung zum kompletten Verzicht auf die Straße gewehrt, denn letztlich ist ein immer wieder genanntes und sehr berechtigtes Ziel die Entlastung der Ortsdurchfahrten von Ihringen und Wasenweiler. Tatsächlich aber bringt eine Bundesstraße einfach nur mehr Verkehr in unsere Gemarkungen. Straßen leiten Verkehr nicht ab, sie ziehen nur neuen Verkehr an und zwar in großen Mengen. Wir müssen einfach mal der Tatsache ins Auge schauen, dass wir mehr Verkehr nicht durch mehr Straßen in den Griff bekommen. Das versuchen wir jetzt seit Jahrzehnten, es klappt nicht. Die meisten der B31-Varianten verbessern die Situation in Ihringen und Wasenweiler auch kaum oder nur sehr vorübergehend.

Der Bau neuer Straßen wirkt aber auch jenseits dieses Beispiels vor dem Hintergrund der Klimakatastrophe mehr als anachronistisch. Die Modellrechnungen sind sehr eindeutig: Wenn wir die Erderwärmung auf 1,5°C begrenzen wollen, dann müssen wir den Individualverkehr schlicht halbieren. Für dieses Ziel gibt es kein Zaubermittel um es zu erreichen. Der Bau weiterer Straßen wirkt aber ganz bestimmt kontraproduktiv. Tatsächlich müssen viele Maßnahmen ineinander greifen und viele dieser Maßnahmen, wie Radwege, ein attraktiver und konkurrenzfähiger ÖPNV und einiges mehr, brauchen auch sehr viel Geld. Geld, das wir nur haben, wenn wir die Mittel, die dem Verkehr zustehen, massiv umverteilen.

Ja, ich kenne das Gejaule der Autofahrer an dieser Stelle. Aber nein, Kraftfahrzeug- und Kraftstoffsteuern zahlen den Autoverkehr nicht annähernd. Der Individualverkehr wird heftigst aus anderen Steuern und Mitteln bezuschusst. Wer dazu ein paar Zahlen kauen möchte, der wird hier fündig (https://www.heise.de/newsticker/meldung/Autoverkehr-verursacht-Folgekosten-von-141-Milliarden-Euro-4505987.html).

Wir brauchen deshalb eine Kehrtwende in der Verkehrspolitik. Lasst uns die Straßen erhalten, die wir haben, aber auf neue, zusätzliche Straßen verzichten. Stattdessen brauchen heftige Investitionen in alle umweltfreundlichen Verkehrsarten. Diese Verkehrsarten müssen einfach so attraktiv werden, dass man gar nicht mehr mit dem Auto fahren will. Natürlich ist das schwer vorstellbar, zumal auf dem Land, wo der ÖPNV so gar nicht attraktiv erscheint. Es bleibt uns aber keine Alternative.

Mir geht es hier im Übrigen gar nicht um ein stumpfes Autobashing. Gerade auf dem Land wird es nicht immer ohne gehen. Wenn es uns aber gelingt, die Hälfte des momentanen Individualverkehrs – oder zumindest einen guten Teil davon – einzusparen, dann kommt das doch auch denen zugute, die nicht auf das Auto verzichten können. Denen reicht der Platz dann ja dicke.

Oswald Prucker

 

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