Parken im Dorf: Ist das überhaupt regulierbar?

Veröffentlicht am 16.08.2020 in Allgemein

Nun haben wir vor ein paar Wochen Parkboxen im Löschgraben und der Kirchgasse aufgemalt – schön in gelb, damit das noch einfach ändern und Erfahrungswerten anpassen kann. Die ersten Reaktionen hat es gegeben und ich habe alles gehört von „Na endlich, das ist toll!“ bis zu „Bringt doch eh nix. Völlig unnötig.“ und viele Schattierungen dazwischen. Es gab auch gute und wichtige Anpassungsvorschläge, damit kann man jetzt arbeiten. Es wurde aber auch klar, dass es eben auch Zielkonflikte gibt: Was für den einen zurecht sehr gut und ganz wichtig ist, das ist für den anderen ein klares und begründetes Problem. Damit werden wir leben müssen.

Lösen diese Maßnahmen und die, die wir noch ergreifen werden, unser Parkproblem im Ortskern? Nein, das wird es vermutlich nicht. Da hilft es auch nix, wenn im Hof geparkt würde. Das war für mich die ehrlichste Rückmeldung, die ich grob im Wortlaut zitieren möchte: „Oft haben im Hof bestenfalls zwei Autos Platz, es gibt aber viel mehr. Und es werden Wohnungen vermietet, für die es keinen Stellplatz gibt.“

Tja, da hat jemand doch tatsächlich den sprichwörtlichen „Elefanten im Raum“ auch angesprochen: Es gibt einfach zu viele Autos. Im Jahr 2010 gab es rund 50 Millionen KfZ in Deutschland, jetzt sind es gut 58 Millionen. Ein Zuwachs von ca. 16% in gerade mal zehn Jahren und niemand würde behaupten, dass wir 2010 zu wenig Karren hatten.

Was also tun? Naja, es gibt schon Möglichkeiten.

Wir könnten uns zum Beispiel darum bemühen, mehr Parkraum zu schaffen. Ein Parkhaus am Ortsrand á la Vauban oder im Ortskern mit Fensterläden, damit die Ortsbaussatzung eingehalten wird. Vielleicht reichen auch größere Parkflächen und wir opfern die gerade beschlossenen und mitunter auch nicht so beliebten Grünzüge. Keine vernünftigen Optionen.

Wir könnten natürlich auch beschließen, dass wir die Zahl der Autos verringern möchten. Keine Angst, der Puls kann im gesundheitlich verträglichen bleiben: Verbote dürfen wir keine beschließen und das will auch niemand. Wir könnten aber Anreize schaffen.

Ist Carsharing wirklich immer noch kein Thema im Dorf? Stehen nicht viele Zweit- und Drittautos meistens einfach nur in der Gegend rum und werden gar nicht gebraucht? Das Carsharing funktioniert, ist längst bewiesen. Die Sorge, dass grad kein Auto da ist, wenn ich eins brauche, ist nachweislich unbegründet. Einziger Nachteil: Man muss halt hinlaufen und kann es nicht einfach vors Haus stellen. Naja, geht ja jetzt schon nicht mehr wirklich, habe ich den Eindruck.

Wann wird endlich der ÖPNV wirklich ausgebaut? Ein deutlich besseres Angebot könnte zu deutlich mehr Nachfrage führen. Was mit der S-Bahn schon funktioniert hat, kann auch mit dem Bus laufen. Solche Überlegungen sind gerade im Landkreis und im Regionalverband in Gange, hoffen wir, dass sie nicht der Pandemie zum Opfer fallen. Ich werde mich in beiden Gremien aber dafür einsetzen, dass unser Bus öfter und länger fährt.

Können wir unsere Bürgerinnen und Bürger aktiv unterstützen, wenn sie auf ein Auto verzichten? Denzlingen tut das und zahlt für jedes abgeschaffte Auto eine Abwrackprämie von 500 Euro als Zuschuss zu einer Regiokarte oder für die Anschaffung eines E-Bikes. Wir könnten zum Beispiel pro Jahr 5.000 Euro in den Haushalt einstellen und würden mit dieser bescheidenen Summe jedes Jahr 10 Karren los.

Das sind drei Maßnahmen, von denen wir zwei unmittelbar selbst in der Hand haben. Nur beim ÖPNV ist unser Handlungsspielraum begrenzt. Vielleicht würden Carsharing und Abwrackprämie aber schon ausreichen und dann bräuchten wir die aufgemalten Kästen gar nicht mehr? Keine schlechte Alternative, aber nur realistisch, wenn wir selbst ein bisschen guten Willen zeigen.

Oswald Prucker

 
 

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